29. November 2013

Lässt Nehlsen eigene Mitarbeiter belauschen?

Am vergangenen Samstag trafen sich interessierte Beschäftigte der Unternehmen Nehlsen-Plump, Karl
Nehlsen und AWG im Bremer DGB-Haus, um über die
anstehende Tarifrunde und den Streik fünf Tage zuvor
zu diskutieren.

Mit dabei war auch eine Person, die laut ver.di eine fast wortgetreue Mitschrift verfasst hat über das, was die Kollegen von sich gaben. Zudem soll sie während der Versammlung mittels iPhone jedes gesprochene Wort aufgenommen haben.

Die Teilnehmenden sollen über den Mittschnitt weder informiert worden sein, noch wurden sie um Erlaubnis gebeten.

„Dieses Verhalten ist kein Kavaliersdelikt! Hier sind rechtliche Grenzen überschritten worden“, schreibt Ellen Naumann von Dienstleistungsgewerkschaft in einem Offenen Brief an den Vorstandsvorsitzenden der Nehlsen AG, Peter Hoffmeyer. Die Leiterin der Bundesfachgruppe Abfallwirtschaft bei ver.di teilt in diesem Papier mit, dass die ‚lauschende Person‘ offenbar eine Arbeitsnähe zur Personalchefin von Nehlsen hätte, weil sie in der in der Personalabteilung tätig sei. Nachdem die Person aufgrund ihres auffälligen Verhalten befragt wurde, soll sie am Telefon gegenüber Dritten angegeben haben, beim Aufzeichnen leider ‚erwischt‘ worden zu sein. 

Für den Bürgerschaftsabgeordneten Klaus-Rainer Rupp sei es schon übel genug, dass eine Firma, die Aufgaben für die öffentliche Hand übernimmt, Tarifflucht begeht und damit durchkommt. „Dass eine eifrige Mitarbeiterin der Geschäftsführung aber glaubwürdigen Berichten zufolge so weit geht, die Tarifauseinandersetzungen von KollegInnen heimlich mitzuschneiden, spricht für den Verfall jeglicher Sitten bei Bremens Entsorgungsunternehmen Nr. 1.“ Der wirtschaftspolitische Sprecher der Bremer Linksfraktion sieht in der Bespitzelung von GewerkschafterInnen ein absolutes No-Go, dass klare Konsequenzen haben sollte. „Wenn die Firmenleitung nicht bereit ist, diesen Vorfall konsequent aufzuklären und das verbriefte Recht der Beschäftigten auf Tarifverhandlungen anzuerkennen, fordern wir vom Senat, dass er Nehlsen ein Ultimatum stellt. Bremen selbst kann schließlich entscheiden, wer in dieser Stadt mit der Abfallentsorgung beauftragt wird, und wer nicht.“ 

Ver.di erwartet nun, dass der Chef des Entsorgungskonzerns wieder an den Verhandlungstisch zurück kehrt. „Lassen Sie uns einen Tarifvertrag für die Nehlsen Beschäftigten verhandeln. Wir nehmen Ihre Terminanfrage gerne entgegen und stehen für Verhandlungen bereit.“

Michael Horn (chh, daw)