8. Januar 2014

Für ein Jahr Arbeit 800.000 Abfindung: Na, neidisch?

Grafik-Quelle: http://de.wikipedia.org (Marsupilami)

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Video-Quelle: www.radiobremen.de

Anfang November 2013 trat unerwartet der damalige Präsident der Jacobs University (JUB), Prof. Heinz-Otto Peitgen, nach einer turbulenten Aufsichtsratssitzung von seinem Amt zurück, das er gut elf Monate zuvor angetreten hat. Ein Streit über die Sanierung der Lehreinrichtung soll für den Rückzug verantwortlich sein.

Nun kam durch RB-Recherchen heraus: Der ehemalige Präsident der finanziell angeschlagenen Nordbremer Privat-Uni bekommt eine Abfindung in Höhe von 800.000 Euro. "Für diese Menge Geld muss man erst mal arbeiten. Und wenn man überhaupt einen Anspruch auf eine so hohe Summe haben will, müsste man erfolgreich arbeiten“, kritisierte gestern Klaus-Rainer Rupp in einem Interview mit dem Bremer Regionalfenster ‚buten und binnen‘ von Radio Bremen.

Skandalös bei dem Vorgang: Im August 2013 teilte der Senat mit, dass die im Nordbremer Ortsteil Grohn angesiedelte Privat-Uni bis einschließlich 2017 zusätzliche Subventionen in Höhe von jährlich drei Mio. Euro erhält. Wäre der Geldsegen ausgeblieben, hätte die JUB wahrscheinlich dicht machen müssen.

Von diesen öffentlichen Hilfsgeldern sollte nun die Abfindung bezahlt werden. „Das ist eine Dreistigkeit ohne Ende. Wenn es noch eines Beweises bedürft hätte, wie unvernünftig und irrsinnig diese Jacobs University denkt und wirtschaftet, dann ist dies das Tüpfelchen auf dem ‚i‘“, so der linke Bürgerschaftsabgeordnete. Dies ging dem Bremer Senat dann offenbar auch zu weit, die Landesregierung stellte klar, dass ausschließlich die Jacosbs Fundation verantwortlich ist für die Zahlung der Abfindung. So kam es dann auch.

In der öffentlichen Diskussion wird nun über die Gründe der Zusatzzahlung spekuliert. Denn geklärt ist bis heute nicht, warum dem Ex-JUB-Präsident überhaupt noch Geld hinterhergeschmissen wird, da er doch angeblich freiwillig aus seinem Amt geschieden sei. „Wenn man in anderen Berufen seinen Job nicht macht, kriegt man keine Abfindung, sondern geht vielleicht sogar Pleite", kommentierte der Parlamentarier diese Merkwürdigkeit. Es geht dabei sicherlich nicht um eine Neiddebatte. Ein ‚normaler‘ Arbeitnehmer aber erhält, wenn überhaupt, erst nach einer fünfjährigen Tätigkeit in der Regel eine Abfindung in Form eines halben Monatsgehaltes, wenn er unfreiwillig ausscheiden muss. Wie viel mag Prof. Heinz-Otto Peitgen dann im Monat ‚verdient‘ haben?

Michael Horn

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